film & diskurs

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Mittwoch, 24.01.2007
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Film: "Venezuela von unten"

Österreich/Venezuala 2004, 67 min

Regie: Oliver Ressler und Dario Azzellini


Die Bolivarianische Revolution in Venezuela hat am 3. Dezember 2006 einen erneuten Wahltriumph feiern können. Hugo Chávez Friás wurde mit mehr als 60% der Stimmen als Präsident des ölreichen Karibikstaates bestätigt. Der umstrittene Transformationsprozess scheint zumindest auf die nächsten Jahre hinaus gesichert. Die KAPU widmet dem venezolanischen „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ auch heuer wieder einen Film- und Diskussionsabend.

Abgesehen von der charismatischen Polit-Popfigur Chávez wird der Prozess von zahlreichen Basisorganisationen getragen und mitgestaltet, sehr zum Ärger der alten Oligarchie, die 2002 erfolglos gegen die Regierung putschte. Rund 80 % der Bevölkerung gelten als arm, sie sind der Garant für die anhaltenden Wahlerfolge. Die marginalisierte Bevölkerungsmehrheit wurde nach Jahrhunderten am Rand der Gesellschaft zum politischen Akteur, Nachbarschaftsinitiativen, Kulturvereine, Freie Medien und Kooperativen partizipieren an der Neuverteilung der Petrodollars. Es ist diese „Selbstorganisierung der Armen“, der Oliver Ressler und Dario Azzellini in ihrer 2004 entstandenen Dokumentation „Venezuela von unten“ nachgehen.

Ihre Bestandsaufnahme führt sie zu AktivistInnen in das berüchtigte Elendsviertel 23 de enero in Caracas, ebenso wie zu einer Indígena- Gemeinde am Orinocio, deren Rechte durch die neue Verfassung wesentlich gestärkt wurden. Besucht werden außerdem landwirtschaftliche Kooperativen, von ArbeiterInnen besetzte Fabriken, die staatliche Erdölgesellschaft, Alphabetisierungskampagnen und eine Bank, die spezielle Mikrokredite an Frauen vergibt.

Zu Wort kommen AnhängerInnen und AktivistInnen der Bewegung, die - obwohl sich die meisten Basisorganisationen als Teil des bolivarianischen Prozesses sehen - auch Kritik an den z.T. schleppenden Erfolgen der Revolution äußern.

Im Anschluss an den Film besteht die Möglichkeit Errungenschaften und Probleme Venezuelas zu diskutieren und nach 8 Jahren Hugo Chávez eine vorsichtige Zwischenbilanz zu ziehen.



Venezuela von unten

Österreich/Venezuala 2004, 67 min

Konzept, Interviews, Schnitt, Realisation: Dario Azzellini & Oliver Ressler

Kamera: Volkmar Geiblinger

Bildbearbeitung und Titeln: Markus Koessl

GesprächspartnerInnen: Titina Azuaje, Gustavo Borges, Stalin Pérez Borges, Juan Brizuela, Bertha de Castillo, José Ramón Castillo, Eduardo Daza, Arlenis Espinal, Freddy Farias, Juán Fermín, José Flores, Randy García, Círe y Guarán, Sandra Heredia de Goncalves, Juana Catalina Guzman, María Elisa Irazabal de Píneda, Natalí Jaimes, Carlos Lazo, Henry Mariño, Maritza Marquez, Esther de Mena, Esteban Michelena, Argelia Naguanagua de Ramos, Emma Ortega, Edgar Peña, Judith Sánchez, José Mercedes Sifontes, Alfonso Tovar, Antolino Vasquez, Eduardo Yaguaracuto

Förderungen: Kunstsektion des BKA, Stiftung Umverteilen