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Freitag, 01.04.2005

eine veranstaltung mit treibsand

ArbeiterInnenkämpfe in Italien

"ultimi fuochi di Porto Marghera" (ital, deutsche Untertitel, 55min.)

Der Film „ultimi fuochi“ besteht hautpsächlich aus Interviews mit
ArbeiterInnen, die über ihre Erfahrungen und Kämpfe in den 50ern und vor
allem in den 60er und 70er Jahren erzählen. Anstatt, wie üblich die
"operaistischen" Intellektuellen sprechen zu lassen, kommen in diesem
Film die ArbeiterInnen selbst zu Wort. Angesprochen werden viele Aspekte der Arbeitsbedingungen damals wie heute in Italien: Industriegebiet bei Venedig mit starker Umweltbelastung, Gesundheitsschädlichkeit der Arbeit, BauernarbeiterInnen – heute migrantische ArbeiterInnen; früher und heute: SubunternehmerInnen. Die ArbeiterInnen haben sich selber organisiert und wurden von der Gewerkschaft und der KPI zunächst ausgeschlossen oder sogar bekämpft.

Das Industriegebiet in Porto Marghera war *das* Laboratorium von Potere
Operaio, und des italienischen Operaismus überhaupt. "Arbeiteruntersuchung", "diffuse Fabrik", "egalitärer Lohnkampf" und "Hausbesetzungen", "proletarisches Einkaufen" und "Kampf gegen die Gesundheitsschädlichkeit der Arbeit" sind Schlagworte, die zwei Jahrzehnte der Arbeiterpolitisierung umspannen.

Auf die massive Selbstorganisation der ArbeiterInnen reagierte der Staat mit
Repression und Umstrukturierung. In den 90ern waren Begriffe wie "flexible Spezialisierung", "diffuse Fabrik" und "postindustrieller Kapitalismus" prägend für diese Gegend. Spätestens heute - seit der tiefen Krise des Benetton-Modells - wissen wir, dass es auf überlangen Arbeitszeiten, Unterausstattung mit Maschinerie, Niedriglöhnen in familiär geprägten Strukturen basierte.

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