Hoch unter Hamburg

Hoch unter Hamburg
Max Goldt
Dienstag, 07.12.1999

Wie kommt der gebürtige Göttinger und seit Jahren
in Berlin lebende Humorschriftsteller und
Ex-Titanic-Kolumnist Max Goldt in eine Veranstaltungsreihe,
die Bands und Musiker aus Hamburg featured? Ganz einfach,
wir wollten ihn eben sobald wie möglich wieder hier bei uns
sehen und lesen hören und immerhin hatte er ja auch schon
mal eine Wohnung in Hamburg.
Warum nur wollen alle Max Goldt lesen hören? Überlassen wir
veritablen Journalistenprofis die Begründung:

"Goldt flaniert durch die bundesdeutsche Konsumwelt samt
ihren Ferien-Dependancen und beschreibt sie virtuos. Er
kommt vom Hölzchen zum Stöckchen und verliert doch keinen
Moment die Aufmerksamkeit des Lesers. Dazu genügt es nicht,
dass einer einfach eine begnadete Plaudertasche ist. In
Wahrheit ist Goldt ein sparsamer präziser Autor. Seine
Prosa lebt vom Sinn fürs exakte Detail und von der fein
austarierten Sprachmelodie; sie setzt jeden Satz so, dass
man den nächsten lesen möchte. Auch ohne die
Hilfskonstruktion einer Handlung, die Erwartung einer
finalen Pointe." NZZ

"Wer hat schon so ein feines Ohr für das Geräusch, das
"beim Aufprallen eines Handtuches auf einem Kachelboden"
entsteht? Wer leistet Trauerarbeit über das Verschwinden so
emblematischer Gebärden wie das "Befeuchten der Finger vor
dem Umblättern" einer Illustrierten" Überhaupt: nur
Menschen, die selbst in ausweglosen Momenten, zum Beispiel
eingeklemmt zwischen einem Tiefkühlregal und einer Frau mit
dickem Hintern, zur Kontemplation fähig sind, dringen auch
in die "mirakeligsten Gebiete" vor." DIE ZEIT

"Am wohlsten ist allerdings der Poet Max Goldt, bei dem man
sich so liebevoll mit Nostalgie bewirtet fühlt: Der
Frühling piepst wie eine Digitaluhr, der Herbst ist die
Glanzzeit bewährter Mechanik. Leise summendes Fieber und
seidenes Glück liegen Atem an Atem über den fruchtig
erregten Gemeinden. Die Apotheker stellen fünfzig Jahre
alte Pilzmodelle ins Schaufenster. Jeder normale Mensch
bekommt Lust, die Sütterlinschrift zu erlernen....Herbst,
wir sind gerne zu Gast in deinem Mantel." TAGES-ANZEIGER